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Rezensionen und Buchtipps zu Büchern von Leena Lehtolainen

 

Kupferglanz
Alle singen im Chor
 
 
Leena Lehtolainen: Auf die feine Art (Harmin paikka). Roman. Aus dem Finn. v. Gabriele Schrey-Vasara. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. 251 S. ISBN 3-499-23089-5
 
 

Skandinavische Krimiautoren erfreuen sich seit mehreren Jahren großer Beliebtheit. Spannende Unterhaltungsliteratur, gespickt mit sozialem Engagement und politischen Themen, haben den klassischen Detektivroman längst abgelöst.

Die finnische Krimiautorin Leena Lehtolainen steht ihren Kollegen aus Schweden, Norwegen und Dänemark in nichts nach und auch wenn das Land weitgehend unbekannt und die finnischen Namen nur schwer auszusprechen sind, sollte man ihr neues Buch "Auf die feine Art" unbedingt lesen.

Ein Mord in besseren Kreisen. Dazu eine Ermittlerin, die rasch vermutet, dass es in der vornehmen Familie gar nicht so nobel zugeht. Nein, wir befinden uns nicht in einer neuen Derrickfolge, sondern in einer Kleinstadt namens Tapiola, mitten in Finnland.

Die Juristin Maria Kallio hat gerade ihren Job in einer alteingesessenen Kanzlei angetreten. Das, und ihr probeweises Zusammenleben mit ihrem Freund Antti findet sie eigentlich spannend genug. Doch plötzlich stolpert Maria im wahrsten Sinn des Wortes über eine Leiche und schon befindet sie sich mitten in einem Kriminalfall.

Maria Kallio war mit der jungen Arzthelferin Armi zum Kaffeetrinken verabredet, Die jedoch hatte bereits vorhor schon Besuch. Und der hat Armi in ihrem Garten brutal erwürgt.

Wenige Stunden später wird Armis Verlobter, Kimmo Hänninen, verhaftet, die Beweiskette ist mehr als lückenhaft, doch für den leitenden Kommissar ist Kimmo der perfekte Mörder. Schließlich führt der Sohn aus gutem Hause ein Doppelleben: Trotz seiner Beziehung zur biederen Armi, ist er Mitglied des örtlichen Sado-Maso-Clubs und liebt es, sich im Gummianzug ein wenig quälen zu lassen. Klarer Fall für die örtliche Polizei: Ein Streit über Sexualpraktiken fiel wohl etwas heftiger aus und der perverse Lüstling Kimmo erwürgte seine Verlobte im Affekt.

Maria Kallio, die junge Anwältin wird von der Familie des Tatverdächtigen mit der Verteidigung beauftragt. Und - sie glaubt an Kimmos Unschuld.

Zitat:
"Ich sah kurz zu dem Aufsichtsbeamten hin, der interessiert zuhörte. Schweigepflicht hin oder her, garantiert würde bald ganz Tapiola über die faszinierenden, sexuellen Neigungen von Kimmo Hänninen unterrichtet sein. Der arme Kerl hatte sich wirklich in die Tinte geritten."

Die Krimis der Leena Lehtolainen folgen alle einem Strickmuster: Jeder kennt jeden. Anonyme Gewaltverbrechen interessieren die finnische Autorin nicht und auch in "Auf die feine Art" ist der Mörder allen bekannt. Die Serienheldin und Ich-Erzählerin Maria Kallio steht von Anfang an mitten im Geschehen. Diesmal stammen die Tote und der Angeklagte aus dem Familienumfeld ihres Freundes Antti. Als sie auf der Suche nach dem wahren Mörder dessen Familie etwas genauer unter die Lupe nimmt, passieren merkwürdige Dinge.

Die Bücher von Leena Lehtolainen sind mehr als schlichte "Wer war der Mörder"-Krimis. Mit Maria Kallio hat sie eine Figur geschaffen, die mitten aus dem Leben kommt, und Marias Privatleben hat meist wenig zu tun mit der schillernden Welt der Detektive:

Zitat:
"Müde radelte ich auf dem Heimweg noch beim Lebensmittelladen vorbei. Der Besuch meiner Schwestern machte mich nervös, und im Laden wäre ich wegen der vielen Leute beinahe endgültig ausgeflippt. Zu Hause saugte Antti gerade den Flur. Warum hatte der blöde Kerl nicht Staub gesaugt, bevor ich nach Hause kam?"

Leena Lehtolainen gibt ihrer Maria ein klares Profil: Eine starke junge Frau, die sich ohne zu Zögern als Feministin bezeichnen würde. Maria Kallio ist für sie ein Vehikel, um ihre Botschaft an die Krimileser zu bringen: Frauen, seid stark, laßt euch nichts gefallen und geht euren Weg. Dass Maria manchmal etwas zu cool ausfällt, verzeiht man ihr gerne, wahrscheinlich braucht man in einem Land wie Finnland ein besonders dickes Fell.

Aus: Buch-Tipp auf NDR 4-Info


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