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Skandinavische Krimiautoren erfreuen sich seit mehreren Jahren
großer Beliebtheit. Spannende Unterhaltungsliteratur,
gespickt mit sozialem Engagement und politischen Themen, haben
den klassischen Detektivroman längst abgelöst.
Die finnische Krimiautorin Leena Lehtolainen steht ihren
Kollegen aus Schweden, Norwegen und Dänemark in nichts
nach und auch wenn das Land weitgehend unbekannt und die finnischen
Namen nur schwer auszusprechen sind, sollte man ihr neues
Buch "Auf die feine Art" unbedingt lesen.
Ein Mord in besseren Kreisen. Dazu eine Ermittlerin, die
rasch vermutet, dass es in der vornehmen Familie gar nicht
so nobel zugeht. Nein, wir befinden uns nicht in einer neuen
Derrickfolge, sondern in einer Kleinstadt namens Tapiola,
mitten in Finnland.
Die Juristin Maria Kallio hat gerade ihren Job in einer alteingesessenen
Kanzlei angetreten. Das, und ihr probeweises Zusammenleben
mit ihrem Freund Antti findet sie eigentlich spannend genug.
Doch plötzlich stolpert Maria im wahrsten Sinn des Wortes
über eine Leiche und schon befindet sie sich mitten in
einem Kriminalfall.
Maria Kallio war mit der jungen Arzthelferin Armi zum Kaffeetrinken
verabredet, Die jedoch hatte bereits vorhor schon Besuch.
Und der hat Armi in ihrem Garten brutal erwürgt.
Wenige Stunden später wird Armis Verlobter, Kimmo Hänninen,
verhaftet, die Beweiskette ist mehr als lückenhaft, doch
für den leitenden Kommissar ist Kimmo der perfekte Mörder.
Schließlich führt der Sohn aus gutem Hause ein
Doppelleben: Trotz seiner Beziehung zur biederen Armi, ist
er Mitglied des örtlichen Sado-Maso-Clubs und liebt es,
sich im Gummianzug ein wenig quälen zu lassen. Klarer
Fall für die örtliche Polizei: Ein Streit über
Sexualpraktiken fiel wohl etwas heftiger aus und der perverse
Lüstling Kimmo erwürgte seine Verlobte im Affekt.
Maria Kallio, die junge Anwältin wird von der Familie
des Tatverdächtigen mit der Verteidigung beauftragt.
Und - sie glaubt an Kimmos Unschuld.
Zitat:
"Ich sah kurz zu dem Aufsichtsbeamten hin, der interessiert
zuhörte. Schweigepflicht hin oder her, garantiert würde
bald ganz Tapiola über die faszinierenden, sexuellen
Neigungen von Kimmo Hänninen unterrichtet sein. Der arme
Kerl hatte sich wirklich in die Tinte geritten."
Die Krimis der Leena Lehtolainen folgen alle einem Strickmuster:
Jeder kennt jeden. Anonyme Gewaltverbrechen interessieren
die finnische Autorin nicht und auch in "Auf die feine
Art" ist der Mörder allen bekannt. Die Serienheldin
und Ich-Erzählerin Maria Kallio steht von Anfang an mitten
im Geschehen. Diesmal stammen die Tote und der Angeklagte
aus dem Familienumfeld ihres Freundes Antti. Als sie auf der
Suche nach dem wahren Mörder dessen Familie etwas genauer
unter die Lupe nimmt, passieren merkwürdige Dinge.
Die Bücher von Leena Lehtolainen sind mehr als schlichte
"Wer war der Mörder"-Krimis. Mit Maria Kallio
hat sie eine Figur geschaffen, die mitten aus dem Leben kommt,
und Marias Privatleben hat meist wenig zu tun mit der schillernden
Welt der Detektive:
Zitat:
"Müde radelte ich auf dem Heimweg noch beim Lebensmittelladen
vorbei. Der Besuch meiner Schwestern machte mich nervös,
und im Laden wäre ich wegen der vielen Leute beinahe
endgültig ausgeflippt. Zu Hause saugte Antti gerade den
Flur. Warum hatte der blöde Kerl nicht Staub gesaugt,
bevor ich nach Hause kam?"
Leena Lehtolainen gibt ihrer Maria ein klares Profil: Eine
starke junge Frau, die sich ohne zu Zögern als Feministin
bezeichnen würde. Maria Kallio ist für sie ein Vehikel,
um ihre Botschaft an die Krimileser zu bringen: Frauen, seid
stark, laßt euch nichts gefallen und geht euren Weg.
Dass Maria manchmal etwas zu cool ausfällt, verzeiht
man ihr gerne, wahrscheinlich braucht man in einem Land wie
Finnland ein besonders dickes Fell.
Aus: Buch-Tipp auf NDR
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