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Sie mag Punk, starke Frauen und klassische Chormusik und
all das kommt auch in ihren Kriminalromanen vor: Leena Lehtolainen,
Autorin und Kritikerin aus Helsinki, hat der finnischen Kriminalliteratur
die erste weibliche Heldin bescheert. Seit 1994 ist die Polizistin
Maria Kallio in Helsinki im Dienst; 1997 heimste deren heute
38-jährige Erfinderin für ihre sozio-psychlogisch
gefärbten Romane mit der nüchternen Sprache den
finnischen Krimipreis ein. Mittlerweile liegen mit Zeit
zu sterben und Alle singen im
Chor die ersten von mittlerweile sieben Büchern
als Rowohlt Taschenbuch auf Deutsch vor.
Ihre Heldin Maria Kallio unterscheidet
sich ziemlich von den üblichen Krimi-Detektiven. Was
gefällt Ihnen an dieser Figur am besten?
Maria ist eigentlich eine sehr typische finnische Frau: gut
ausgebildet, unabhängig und aktiv. Am Anfang, wie in
Alle singen im Chor, ist sie jung
und Single, aber im Verlauf der Serie heiratet sie und bekommt
Kinder. Das wichtigste an Maria ist ihre Ambivalenz: Sie ist
tough und mutig, aber auch sehr sensibel. Maria könnte
meine Freundin sein, wir könnten zusammen joggen oder
uns eine Punkband anhören.
In Ihren Büchern nimmt der
Alltag Ihrer Protagonisten breiten Raum ein. Sie singen im
Chor, feiern mit Freunden oder haben schwierige Beziehungen
zu ihren Eltern ...
Mich interessieren die Leute von nebenan viel mehr als Superhelden
oder Serienkiller. In meinen Büchern versuche ich zu
erkunden, was einen normalen Menschen dazu bringt,
die unsichtbare Grenze zu überschreiten und zu töten.
Meine Lieblingsbücher sind auch Bücher, die vom
ganz normalen Alltag erzählen wie die von Barbara Pym
oder Jane Austen.
Aus Skandinavien sind in den letzten
Jahren jede Menge neuer Krimiautoren gekommen. Haben Sie eine
Erklärung dafür, dass Krimis im Norden Europas so
populär sind?
Ich glaube, viele der Schriftsteller, die früher große
Sozialromane geschrieben hätten wie Thomas Mann, schreiben
heute Krimis. Darin kann man auf die gesellschaftlichen Veränderungen
sehr gut reagieren. Im täglichen Leben sind Verbrechen
und Mord in Skandinavien gar nicht so häufig, wir führen
ein sicheres Leben. Aber weil es immer ein wenn
gibt, schreiben wir gerne über diese Wenn-Dinge.
Was passiert, wenn ein führender Politiker ermordet wird?
Oder wenn eine anfängt, gewalttätige Ehemänner
umzubringen?
Gibt es in ihren Büchern
etwas, das Sie als typisch finnisch bezeichnen würden?
Das tägliche Leben, dass ich viel von der Natur beschreibe.
Eine Art von Liberalismus. Finnland ist heute eine ziemlich
offene Gesellschaft, zumindest die großen Städte
im Süden und an der Westküste. Und vielleicht ist
auch die Tatsache, dass die Leute in meinen Büchern ziemlich
heftig trinken, typisch finnisch ...
Erschienen in den Kieler
Nachrichten vom 8. Juni 2002. Wiedergabe mit freundlicher
Genehmigung von Ruth Bender, Kieler Nachrichten.
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