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Vernunft ade
In letzter Zeit hat es mehrere Kapitalverbrechen
oder versuchte Anschläge gegeben, als deren Motiv Eifersucht
genannt wurde. Männer töten ihre Freundin oder ihre
scheidungswillige Ehefrau und oft auch sich selbst. Tatwaffe
ist ein Revolver, ein Messer oder auch Brandstiftung. Das
jüngste Opfer dieser Art von Gewaltverbrechen war erst
17 Jahre alt. Im schlimmsten Fall sterben zudem auch Unbeteiligte.
In neunzig Prozent der Fälle ist der Täter ein Mann
und das Opfer eine Frau; wenn aber eine Frau aus Eifersucht
tötet, macht der Fall Schlagzeilen.
Der Begriff Eifersucht hat einen tragischen Nachhall. Mit
der Eifersucht befassen sich unsterbliche Kunstwerke, etwa
Shakespeares Othello
oder Bizets Oper Carmen.
Bei Aufführungen dieser Werke fällt es dem Zuschauer
nicht schwer, sich sowohl mit dem Eifersüchtigen als
auch mit seinem Opfer zu identifizieren.
Meine beiden Beispiele unterscheiden sich in einigen Punkten:
Es sind die Andeutungen des verschlagenen Jago, die Othello
an der Treue der unschuldigen Desdemona zweifeln lassen, während
die Zigeunerin Carmen nicht gegen ihre natürliche Veranlagung
ankommt, woraufhin der unreife Don José sie lieber
tötet als sie an einen anderen zu verlieren.
Nach heutigem Verständnis hat Carmen das Recht, ihren
Partner zu wechseln, doch es wäre interessant, durch
eine Befragung des Opernpublikums festzustellen, wieviele
der Ansicht sind, Carmen habe ihr Schicksal selbst verschuldet.
Häufig suchen wir die Gründe
für eine entsetzliche Tat im Verhalten des Opfers. Das
ist ungerecht gegenüber dem Opfer, aber verständlich,
denn wir wollen Verhaltensmuster finden, die uns davor schützen,
selbst zu Gewaltopfern zu werden.
Bei Vergewaltigungen fragt man, wie das Opfer gekleidet war
oder warum es den Freund der Familie in die Wohnung eingelassen
hat. Auch ein Mann, der in volltrunkenem Zustand beraubt wird,
darf kaum auf Mitgefühl hoffen.
Ist Eifersucht eine zulässige Begründung für
Gewalttaten? Die meisten von uns sind in irgendeiner Weise
eifersüchtig auf ihren Partner, ob sie Grund dazu haben
oder nicht. Wichtig in einer Zweierbeziehung sind gemeinsam
vereinbarte Verhaltensnormen, an die sich beide halten.
Krankhafte Eifersucht - oder krankhafte Besitzsucht, denn
darum handelt es sich meiner Ansicht nach bei Gewaltdelikten
- ist etwas anderes. Wie es in einem von Olavi Virta gesungenen
Tango heißt, zerstört sie die Vernunft, und im
schlimmsten Fall auch das Leben.
Es erschreckt mich, wie mühelos ich
die Gedankengänge eines in rasender Eifersucht handelnden
Mörders verstehe, obwohl ich seine Tat nicht billige.
Unter den Eifersuchtsdramen der klassischen Literatur bedrückt
mich vor allem die Geschichte von Medea, einer Mutter, die
ihre drei Kinder tötet, als ihr Mann sie zu verlassen
droht.
Medea ist je nach Interpretation eine Heldin oder ein Monster.
Ich selbst lese die Geschichte vor allem aus der Perspektive
der Kinder, und deshalb fällt es mir schwer, Mitleid
mit Medea zu empfinden. Othello und Desdemona hatten keine
Kinder, auch Carmen nicht. Deshalb kann man ihre Tragödie
als Drama unter Erwachsenen verfolgen, anders als in Medeas
Fall.
Im wirklichen Leben sind Morde aus Eifersucht alles andere
als hehr und erhaben, und allzu oft sind Kinder die Leidtragenden.
Wer kümmert sich um sie?
Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara
Aus: Suomen Kuvalehti 46/2001
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