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Kolumnen von Leena Lehtolainen

 

Das Land der Gesprächigen
Wer ist kriminell? Lohnsenkung für Frauen!
Flucht aus der Wirklichkeit  
 
 

Lohnsenkung für Frauen!

Das Unwohlsein unserer Kinder und Jugendlichen erregt allgemeine Besorgnis, und das mit gutem Grund. Tausende von Kindern sitzen Abend für Abend allein zu Hause und werden von Internet und Fernsehen erzogen. Als Lösung wird vorgeschlagen, die Mütter sollten zu Hause bleiben. Doch um dergleichen zu erwägen, verdienen die Frauen zu gut, immerhin vier Fünftel von dem, was die Männer bekommen. Das muss sich schleunigst ändern.
Ich schlage der Regierung deshalb folgendes vor:
Die Frauen dürfen berufstätig bleiben, wenn sie durchaus wollen, immerhin sind wir nicht in Afghanistan. Jede Frau muss sich zwischen Karriere und Familie entscheiden. Für Mütter von Kindern unter zwölf Jahren, die berufstätig bleiben wollen, wird eine Lohnsenkung festgesetzt, z.B. monatlich 350 Euro pro Kind.
Das ist nur logisch: Frauen mit Kindern können am Arbeitsplatz nicht ihre volle Energie einbringen, weil die Kinder mitunter krank werden und aus der verwaisten Wohnung ihre Mutter am Arbeitsplatz anrufen. Wenn eine Frau für vollen Frauenlohn arbeiten will, muss sie sich schriftlich verpflichten, keine Kinder zu bekommen, solange das Arbeitsverhältnis andauert. Mutterschafts- und Erziehungsgeld werden gestrichen.

Männern, die Kinder haben und deren Frau zu Hause bleibt, wird ein Gehaltszuschlag gezahlt, zum Beispiel monatlich 500 Euro pro Kind. Dadurch sinkt auch die Zahl der für Kinder belastenden Scheidungen, weil Frauen und Kinder finanziell von den Männern abhängig sind.
Die Politikerinnen sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Die Abgeordnete Päivi Räsänen, die sich so verdienstvoll für den Wert der Familie einsetzt, wird wohl zu Hause bleiben und ihre fünf Kinder versorgen, und Eva Biaudet denkt nicht einmal im Traum daran, auf ihren Posten als Sozialministerin zurückzukehren. Die Präsidentin und andere Frauen, die ihre Kinder bereits großgezogen haben, mögen ihre Stellung vorläufig behalten. Sobald das Problem der Kinderbetreuung geregelt ist, sollte allerdings die Altenpflege angegangen werden.

Wenn unsere Gesellschaft wirklich pluralistisch wäre, gäbe es Alternativen zu dem oben skizzierten Szenario. Wir könnten es uns leisten, ein anständiges Erziehungsgeld zu zahlen und eine ausreichende Rentenabsicherung zu garantieren, wenn Eltern zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu versorgen, oder in Teilzeit arbeiten.
Im Berufsleben würden diese Eltern nicht als Verräter betrachtet, sondern als Helden, und wenn sie nach jahrelanger Elternzeit in den Beruf zurückkehren, würde man ihnen keine Steine in den Weg legen.
Vor allem die Väter würden ermutigt, Elternurlaub zu nehmen. Durch Angleichung der Frauenlöhne an das Einkommen der Männer würde man erreichen, dass die Familien wirklich frei wählen können, welches Elternteil zu Hause bleibt. Für die Kinder derjenigen, die nicht zu Hause bleiben wollen oder können, würde zuverlässige Nachmittagsbetreuung angeboten.
Man würde die Kinder vom Computer weglocken, aber nicht zu leistungsorientierten Hobbies, sondern zu ganz normalen Alltagsbeschäftigungen mit ihren Eltern. Die Wohnungspolitik würde strikt reguliert, so dass man sich im ganzen Land eine Wohnung leisten kann, ohne den Löwenanteil von zwei monatlichen Einkommen dafür aufwenden zu müssen. Jede Familie könnte frei zwischen gemeinschaftlicher oder separater Besteuerung wählen.

Idealismus? Stimmt, in Wahrheit können wir es uns ja nicht leisten, gemeinsam für das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Überlassen wir es den Frauen!

Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara

Aus: Suomen Kuvalehti 34/2001


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