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Kolumnen von Leena Lehtolainen

 

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Flucht aus der Wirklichkeit

Bei Eiskunstlaufmeisterschaften suche ich Verzauberung und große Gefühle.

Für ein Muttertier wie mich ist es nicht leicht, Urlaub zu machen. Die Weihnachtsferien zum Beispiel sind ein Paradox, gerade in dieser Zeit heißt es kochen, Geschenke einpacken, putzen. Die Wäsche muss gewaschen werden, Einkäufe sind zu erledigen, und im Sommerurlaub geht es genauso zu. Das Handy klingelt und die Mailbox quillt über, denn von Freelancern wird erwartet, dass sie jederzeit erreichbar sind.
Zu Hause Urlaub machen ist ein Ding der Unmöglichkeit, umso mehr, wenn sich auch das Arbeitszimmer im Haus befindet. Zum Glück habe ich vor einigen Jahren die Lösung für mein Urlaubsproblem gefunden: Ich mache Eiskunstlaufferien.
Sicher halten die meisten ein kaltes Eisstadion nicht für das reizvollste Urlaubsziel der Welt. Ich schon. Jemand anders putzt mein Hotelzimmer und deckt den Frühstückstisch. Mir werden täglich zehn, zwölf Stunden Unterhaltung geboten, ich kann die Darbietungen der besten Eiskunstläufer Europas oder sogar der ganzen Welt genießen. Das ist wahrer Urlaub!

Ende Januar habe ich einen solchen Urlaub in Schweden verbracht, in Malmö, wo die Europameisterschaft stattfand. Finnland war mit einer außergewöhnlich großen Mannschaft vertreten: drei Läuferinnen bei den Damen, ein Vertreter bei den Männern und ein Eistanzpaar. Man hätte durchaus auch unser einziges Eiskunstlaufpaar hinschicken können, es ist nicht schlechter als die Vertreter manch eines anderen europäischen Landes. Überhaupt scheint der europäische Paarlauf an Blutarmut zu leiden, offenbar wird er nur in Russland mit vollem Einsatz betrieben. Meine Favoriten bei dieser EM waren die Franzosen Sarah Abitbol und Stephane Bernadis, die die Silbermedaille gewannen; sie zeigten in ihrer Kür mehr Persönlichkeit und Freude am Auftreten als die russischen Paare, die mit Gold und Bronze ausgezeichnet wurden.
Ganz allgemein dominiert Russland in den letzten Jahren im europäischen Eiskunstlauf. In diesem Jahr rechnete man damit, dass die Ukrainerinnen und Finninnen den Russinnen ernsthaft Konkurrenz machen würden. Alle finnischen Läuferinnen platzierten sich hervorragend unter den ersten zehn, und alle Finnen wurden die ganze Woche über gefragt, wie es möglich ist, dass Finnland so viele talentierte Frauen hat. Leider hatte Alisa Drei Pech bei der Auslosung der Qualifikationsgruppe, denn ihre Leistungen bei dieser Europameisterschaft waren medaillenreif. Auch Elina Kettunen und Susanna Pöykiö haben ständig neue Fans gewonnen.

Im Eistanz kann man die Medaillengewinner oft vorhersagen; er gilt als korrupteste Disziplin des Eissports. Auch diesmal mochte kaum jemand darauf wetten, dass die Goldmedaille einem anderen Paar zufallen könnte als den russischen Weltmeistern und Olympiazweiten Lobacheva - Aberbukh. Bei den anderen Medaillenrängen war der Ausgang schwieriger zu prophezeien, und es gab zum Glück Überraschungen. Meine langjährigen Favoriten, das in Finnland durch die Finlandia Trophy bekannte bulgarische Paar Albena Denkova - Maxim Stavijski brachte seinem Land die erste Eiskunstlaufmedaille aller Zeiten, eine silberne. Das israelische Paar, das im letzten Jahr bei der WM Bronze gewann, erreichte diesmal nur den sechsten Platz.
Beim Eistanz sind die Männer im Allgemeinen Erwachsene, deshalb kann ich es wagen, sie zu bewundern, ohne mich als schmierige alte Tante zu fühlen. Bei vielen Einzelläufern ist das anders - sie könnten meine Söhne sein. Unglaublich, dass der Russe Jevgeni Plushenko erst zwanzig ist; er hat ja bereits die Europa- und Weltmeisterschaft, zahlreiche Medaillen und olympisches Silber gewonnen. Auch bei dieser EM war Plushenko der Favorit, sein Sieg kam nicht überraschend. Mir persönlich gefielen einige andere Läufer besser, etwa die beiden französischen Medaillengewinner und der fantastische Schweizer Stephane Lambiel - der Pirouettenvirtuose entwickelt sich allmählich auch zum Sprungwunder.
Ich fahre zu den Wettkämpfen, um mich verzaubern zu lassen und Gefühlsaufwallungen zu erleben. Diesmal kamen mir viermal die Tränen: als Alisa Drei ihr Qualifikationsprogramm lief, als sich das bulgarische Paar die Silbermedaille sicherte und bei der Kür der Männer, als der Franzose Stanick Jeannette den Kleinen Prinzen darstellte. Vielleicht war meine Rührung diesmal vor allem auf die Assoziationen zu meinem Buch zurückzuführen. Beim Schaulaufen kam das Taschentuch mehrmals zum Einsatz, und auf dem Rückflug begann ich bereits, den nächsten Eiskunstlaufurlaub zu planen.

Übersetzung: Gabriele Schrey-Vasara

Aus: Me Naiset vom 6.2.2003


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